3D-Drucker Kaufberatung - BIT-Software Schweiz 3D-Druckerzentrum Gäu

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3D-Drucker Kaufberatung

Produkte > 3D-Drucker und Zubehör
Wenn Sie einen 3D-Drucker anschaffen wollen sollten Sie dies nicht überstürzen.
Das Gerät sollte Ihre Wünsche möglichst optimal erfüllen. Sonst kann dies schnell in Frust und unnötigen Ausgaben enden.

Sich einfach einen 3D-Drucker aus dem breiten Angebot in den diversen Online-Kaufhäusern herauszupicken und zu bestellen halte ich persönlich nicht unbedingt für die beste Wahl.
Vielmehr empfehle ich, sich bei einem qualifizierten Händler beraten zu lassen. Wenn dies nicht möglich ist, dann lesen Sie bitte diesen Artikel sorgsam durch. Vielleicht können wir Sie dadurch vor einem Fehlkauf bewahren.

Vor dem Kauf eines 3D-Druckers sollten Sie sich eingehend darüber Gedanken machen, wie Sie das Gerät einsetzen und was Sie damit letztendlich alles machen wollen. Die Eier legende Wollmilchsau gibt es auch in unserem Bereich noch nicht.

Druckmaterialien

Zuallererst müssen sie sich überlegen, welche Materialien (Kunststoffe) Sie verarbeiten wollen.

Falls Sie sich mit PLA und/oder PET/PETG begnügen können benötigen Sie kein beheizbares Druckbett.
Wollen Sie aber in der Lage sein, auch ABS oder sogar Nylon und ähnliche Materialen zu verwenden, werden Sie nicht um das beheizbare Druckbett herum kommen.

Achtung, wichtig:
Verschiedene Hersteller von Billig-3D-Druckern sind dazu übergegangen, spezielle Kassetten oder Kartuschen zu verwenden. Deren Drucker funktionieren dann ausschliesslich mit den Markeneigenen Filamenten, die dann in der Regel völlig überteuert verkauft werden.
So kann sich der Kauf eines vermeintlich billigen Druckers bei häufigem Gebrauch schnell mal als sehr teurer Kauf herausstellen!
Oftmals lassen sich diese Drucker durch einen Eingriff in die Hard- oder Firmware des Druckers hacken, damit auch Standardfilamente verwendet werden können. Allerdings geht dadurch der Garantieanspruch beim Gerät verloren!

Achten Sie beim Kauf von Filamenten für Ihren 3D-Drucker auch immer auf die Menge (Gewicht), die auf der Spule enthalten ist.
Etliche Hersteller locken mittlerweile mit sehr günstigen Preisen, wickeln dann aber nur noch 500 Gramm oder noch weniger auf die Spule.
Also immer Preis mit gelieferter Menge vergleichen!

Flexible Materialien

Die flexiblen Filamente wie z.B. NinjaFlex lassen sich mit einem Bowden-Extruder (Ultimaker, MANKATI, WANHAO S5) nur sehr schwer oder gar nicht verarbeiten.
Das Problem liegt dabei darin, dass hier das Filament vom Antrieb aus über einen ca. 70 cm langen Kunststoffschlauch in den Extruder gestossen wird. Bei weichen Filamenten führt das zu starken Reibungskräften zwischen Filament und Kunststoffschlauch. Beim MANKATI besteht dieser Schlauch bereits bei Lieferung aus Teflon, was die Reibung so weit wie möglich reduziert. Beim Ultimaker kann man den bestehenden Schlauch durch einen Teflon-Schlauch ersetzen. Es bleibt aber immer noch ein Abenteuer, flexible Filamente mit Bowden-Extruder zu drucken.

Maximale Objektgrösse

Die Bauraumgrösse ist bei den meisten Druckerfabrikaten ein wesentlicher Kostenpunkt. Deshalb sollten Sie sich ernsthaft überlegen:

Wie grosse Teile müssen Sie wirklich drucken können?

Dabei gibt es einige Punkte zu beachten:
  • Bauteile mit grosser Grundfläche sind grundsätzlich schwieriger zu drucken als kleinere Bauteile.
    Deshalb ist es oftmals besser, ein Objekt in mehreren Einzelteilen anzufertigen und danach die Teile mit geeigneten Massnahmen zu verbinden.
    Im einfachsten Fall geht dies mit einem guten Kunststoffkleber ganz ausgezeichnet.
    Falls Sie ein Konstruktionsprofi sind könnten Sie die Teile vielleicht sogar mit entsprechenden Clipvorrichtungen ausstatten, so dass die fertigen Einzelteile einfach zusammengesteckt werden können.
    Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Teile miteinander zu verschrauben. Dazu eignen sich z.B. Blechschrauben ganz besonders gut.
  • Je grösser die Grundfläche des zu druckenden Bauteils um so grösser ist die Gefahr des sogenannten Warpings.
    Dabei lösen sich die Ecken des Bauteils während des Druckens von der Druckplattform ab und sorgen für eine Krümmung der Bodenfläche.
    Das Warping ist besonders bei ABS ein Thema, kann aber bei grossen Bauteilen auch mit PLA nicht ganz vermieden werden.
  • Wenn Sie einen Druck starten der, sagen wir mal 10 Stunden dauert und nach 9 Stunden geht Ihnen das Material aus oder es passiert irgend etwas, das zu einem fehlerhaften Druckergebnis und somit zu Ausschuss führt dann ist das ziemlich ärgerlich.

Der Düsendurchmesser

Welchen Durchmesser die Düse Ihres 3D-Druckers hat ist in erster Linie mal nicht so relevant.
Einzig folgendes ist zu bedenken:
Der Drucker muss für jede Schicht zuerst eine Hülle (Die sogenannte Aussenwand oder auch Perimeter genannt) abfahren.
Stellen Sie sich nun vor, sie möchten ein kleines Kistchen mit einer möglichst dünnen Seitenwand drucken. Die Düse muss jetzt für die Hülle einmal die Aussenseite des Kistchens, aber auch die Innenseite umfahren können. Somit ergibt sich eine minimale Wandstärke von 2 Mal dem Düsendurchmesser.

Einen Mehrwert stellt natürlich ein Drucker dar, bei welchem unterschiedliche Düsendurchmesser verwendet werden können. Drucker,welche über ein standard-Hotend verfügen, lassen sich mit beschichteten Düsen von Micro Swiss ausrüsten womit eine Vielfalt von verschiedenen Düsendurchmessern verfügbar ist.

Die Druckgeschwindigkeit

Auf die Angaben der maximalen Druckgeschwindigkeit können Sie zwar schon mal schauen, aber bitte messen Sie diesen Werten keine besondere Bedeutung zu.
Aufgrund der verwendeten Schrittmotoren ist theoretisch jeder heutige 3D-Drucker in der Lage, mit 200 mm/s zu drucken.
Nur wird das vom verwendeten Druckmaterial ziemlich sicher zunichte gemacht. Das Material muss ja schliesslich geschmolzen und aus der relativ kleinen Düse aufgebracht werden. Da nützt es nichts, dass der Druckkopf wie wahnsinnig in der Gegend herum rennt wenn das Material nicht schnell genug erhitzt und durch die Düse gepresst werden kann.

Aus meiner Erfahrung heraus würde ich sagen, dass auch Sie letztendlich mit Druckgeschwindigkeiten um die 50 bis 100 mm/s operieren werden, für bestimmte Materialien oder perfekte Resultate sogar eher noch etwas weniger. Und das schafft nun locker jeder Drucker.

Tipp:
Bei höheren Geschwindigkeiten (vor allem auch die Verfahrgeschwindigkeit) erhöhen sich auch die Fliehkräfte, die sich letztendlich auf den Drucker und den Tisch , auf dem der Drucker steht, übertragen, womit das ganze Gebilde je nachdem ziemlich stark vibrieren kann.
Deshalb ist es wichtig, in diesem Fall den Drucker auf einen stabilen Tisch zu stellen.
Es kann sich auch durchaus lohnen, sich einen solchen Tisch selber zu bauen. dazu eignet sich beispielsweise eine massive Küchen-Arbeitsplatte und stabile Metallfüsse. Diese sollten dann aber auch noch mit Querstreben stabilisiert werden.
Aber keine Angst. Ihr Drucker wird auch funktionieren, wenn er auf einem normalen Tisch steht. Vielleicht müssen Sie dann halt einfach die Druck- und Verfahrgeschwindigkeit etwas niederiger wählen.

Dual-Extruder oder Single-Extruder

Mit einem Dual-Extruder besteht die Möglichkeit, 2 verschiedene Materialien (oder Farben) in einem Druckobjekt zu verbinden.
Meistens wird der Dual-Extruder jedoch genutzt um spezielles (z.B. wasserlösliches) Stützmaterial verwenden zu können.

Hier müssen Sie klar zwischen diesen beiden Anwendungsarten unterscheiden.

Wenn Sie wirklich verschiedene Farben und/oder Materialien in ein und demselben Objekt verwenden wollen müssen Sie sich einer Sache klar sein:
Nahezu alle Drucker-Programme unterstützen diese Funktion bisher nur mangelhaft. Es muss sehr kompliziert mit 2 Modelldateien gearbeitet werden, die dann von der Software zu einer einzigen Druckdatei verbunden werden müssen. Dieser Vorgang ist ziemlich aufwendig und wird auch noch nicht von jeder Software unterstützt und selbst wenn, dann meistens nur mangelhaft. Bei Cura ist diese Funktion bereits einigermassen komfortabel umgesetzt.

Beim Verwenden von speziellem Stützmaterial sind die Programme etwas weiter. Dies funktioniert in der Regel schon ganz gut.
Ob Sie das aber wirklich brauchen ist die zweite Frage. Der Drucker kann nämlich auch Stützstrukturen mit dem Material drucken, das auch für das Objekt verwendet wird. Diese Stützstrukturen lassen sich bei guter Einstellung der Software dann relativ einfach vom fertigen Modell abbrechen. Probleme gibt es hierbei lediglich bei Modellen, bei denen die Stützstrukturen nicht mehr einfach zugänglich sind, z.B. im inneren von Flaschen.
Ein weiterer Aspekt ist der derzeit noch hohe Preis der Stützmaterialien. PVA beispielsweise kostet locker doppelt so viel wie PLA oder ABS.
Als Stützmaterial wird meistens das in Wasser lösliche PVA oder in Limonene-Flüssigkeit lösliches HIPS verwendet.

Kampf der Schichtdicken

Viele Druckerhersteller werden mit möglichen Schichtdicken von bis zu 2 Mikron (0.02 mm).
Solche Angaben sind mit grosser Vorsicht zu geniessen.

Hier gibt es folgende Kriterien zu beachten:
Ab einer gewissen Mindestdicke der Schichten ist von Auge praktisch kein Unterschied mehr erkennbar.
Mit einem Düsendurchmesser von z.B. 0.4 mm wird es ausserordentlich schwierig, Schichtdicken von weniger als 0.1 mm zu drucken.
Hier wäre ein Drucker mit auswechselbarer Düse und unterschiedlichen Düsendurchmessern von Vorteil.
Die Druckzeit steigt bei kleinerer Schichtdicke rasant an. Dies lässt sich ganz einfach erklären. Für ein Bauteil mit 10 mm Höhe werden bei einer Schichtdicke von 0.2 mm gerade mal 50 Schichten gedruckt. Reduzieren wir jetzt die Schichtdicke auf 0.05 mm, so benötigen wir deren 200. Dies bedeutet natürlich auch eine 4 Mal längere Druckzeit!

Speicherkarten-Steckplatz

Mit einem Steckplatz für eine (meistens SD-) Speicherkarte besteht die Möglichkeit, die Modelldateien auf eine Speicherkarte zu kopieren, diese dann in den Steckplatz zu stecken und das Modell zu drucken, ohne dass der Drucker mit dem PC verbunden sein muss.

Die Frage nach einem solchen Steckplatz wird allerdings immer mehr in den Hintergrund gerückt weil die meisten heutigen Druckermodelle bereits über einen solchen Steckplatz oder sogar über einen USB-Anschluss für Memory-Sticks verfügen.

Die Software

Last but not least wollen wir jetzt noch einen Blick auf die Software werfen.

Jeder Hersteller liefert mit dem Drucker ein eigenes Softwarepaket aus, mit welchem die Objekte auf dem heimischen PC für den Druck aufbereitet werden können, bevor die Druckdaten dann entweder vom PC direkt an den Drucker geschickt oder auf eine (SD-) Speicherkarte gespeichert werden.
Hier tun sich qualitativ gewaltige Abgründe auf.
Gerade die Software des Marktleaders aus den USA (und die entsprechenden Derivate) sind meiner Meinung nach am untersten Ende der Skala einzustufen. Bei diesem Programm ist es noch nicht einmal möglich, ein Objekt zu vervielfachen oder mehrere unterschiedliche Teile in einem einzigen Druckvorgang herstellen zu können.
Andere Hersteller liefern durchaus intuitiv zu bedienende und ansprechende Ergebnisse produzierende Programme mit aus.

Aber auch hier gibt es keinen Grund zum Verzweifeln:
Lassen Sie sich von uns beraten, ob und wie Sie Ihren Drucker auch mit fremden Druckprogrammen zu hochwertigen Ergebnissen überreden können.

Service und Ersatzteile

Dies ist meiner Meinung nach einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Vergewissern Sie sich vor dem Kauf eines 3D-Druckers, ob der Verkäufer in der Lage ist, wenigstens einen minimalen Service für das Gerät zu bieten und innert vernünftiger Frist Ersatzteile zu beschaffen!
Der tollste 3D-Drucker nützt Ihnen nichts, wenn er wegen irgend einer Lappalie über den ganzen Globus hin und her verschickt werden muss!

Resumée

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit den vorliegenden Informationen etwas helfen bei der Wahl des für Sie geeigneten 3D-Druckers.
Auf jeden Fall sollten Sie aber, nachdem Sie sich für ein Gerät entschieden haben, auch die Preise vergleichen.
Ich habe in einem renommierten Onlineshop-Portal in der Schweiz beispielsweise den Easy3Dmaker von 3Dfactories für einen Preis gesehen, der deutlich über dem Preis liegt, den die qualifizierten Fachhändler für das gleiche Gerät verlangen! Und dies bei einem Anbieter, der Ihnen nach dem Kauf keinerlei Hilfestellung bieten kann, weil einfach das entsprechende Know-How nicht vorhanden ist.
Andererseits soll nicht verschwiegen werden, dass Sie den Drucker bei einem anderen Online-Warenhaus vielleicht auch etwas billiger einkaufen können, aber auch hier sollten Sie sich Gedanken über den Support nach dem Kauf machen.

Mittlerweile verkauft sogar die Schweizer Post 3D-Drucker. Ob Sie sich das antun wollen muss ich Ihnen selber überlassen. Aber rechnen Sie bitte auch da nicht mit kompetenter Hilfe, wenn Sie mit einem Fehldruck in der Hand bei Ihrer Poststelle vor dem Schalter stehen.

Gerade für einen Neueinsteiger im Gebiet des 3D-Druckens ist es meiner Meinung nach unerlässlich, bei Problemen oder technischen Fragen auf einen qualifizierten Support zurückgreifen zu können!
Vielleicht ist die Technik in 10 Jahren soweit, dass ein 3D-Drucker wirklich ein Plug and Play Gerät wird. Aus heutiger Sicht ist dies aber noch eine Utopie.

 
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